Premiere für Qualität und Entwicklung in Praxen (QEP®). Bundesweit werden seit kurzem die ersten Praxen nach dem speziellen Qualitätsmanagement-Konzept Qualität und Entwicklung in Praxen zertifiziert. Das Gesundheitszentrum Orth und Orth erhielt die begehrte Auszeichnung.

 

Bei QEP stehen die Patientenorientierung sowie die reibungslose und qualitätsgesicherte Versorgung in der Praxis im Mittelpunkt. QEP ist ein speziell auf den vertragsärztlichen Versorgungsbereich zugeschnittenes Programm zum Qualitätsmanagement (QM), das ein Team aus Medizinern, Mitarbeitern der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und QM-Experten unter dem Dach der KBV (Kassenärztlichen Bundesvereinigung) entwickelt hat. Kernstück des Systems ist ein Qualitätszielkatalog mit über 200 Zielen. Neben der psychotherapeutischen Praxis Dr. Kai Born in Eltville hat auch das Gesundheitszentrum Orth und Orth bereits ab 2005 an der Erprobungsphase von bundesweit 60 Pilotpraxen teilgenommen. QEP erfüllt die gesetzlichen Vorgaben zum Qualitätsmanagement (QM) und ist kompatibel mit anderen marktgängigen QM-Programmen. Der Nutzen ist nicht nur für Ärzte, Psychotherapeuten und Praxisteams ersichtlich, gerade die Patienten profitieren davon. Das Spektrum reicht von der Organisation der täglichen Abläufe über die Praxisausstattung, Behandlungspfade, Notfallbehandlung bis hin zu Teambesprechungen, Patientenbefragungen und ständiger Qualitätsverbesserung.

 


Interview mit Privatdozent Dr. Thomas Orth

Warum haben Sie sich für die Einführung eines Qualitätsmanagement-Systems in Ihrer Arztpraxis entschieden?

Thomas Orth: Die Einführung eines Qualitätsmanagement-Systems wird durch gesetzliche Vorgaben gefordert. Die jetzt erfolgreich durchlaufene Zertifizierung hingegen war freiwillig. In den letzten Jahren hat sich unser Umfeld erheblich verändert. Es reicht heute nicht mehr aus, nur gute Medizin zu machen, vielmehr müssen wir die Patientenerwartungen möglichst gut erfüllen und auf die sich ständig und in immer kürzeren Abständen ändernden Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen reagieren. Dabei hilft uns ein Qualitätsmanagement-System.

 

Wie sah die Einführung von QEP aus?

Thomas Orth: Der Aufbau eines QM-Systems wird getragen von der Einstellung der Praxisleitung und der Einsatzbereitschaft aller Teammitglieder. Wir haben uns zunächst in Zusammenarbeit mit dem Psychotherapeuten Dr. Kai Born einen Überblick über die verschiedenen QM-Systeme wie z.B. DIN ISO und QEP verschafft. Nach gründlichem Studium und Abwägen der Vor- und Nachteile haben wir uns dann für QEP der KBV entschieden. Hier war neben der Verständlichkeit vor allem der direkte Zuschnitt auf die Arztpraxis mit ihren speziellen Anforderungen der ausschlaggebende Faktor.

 

Wie erfolgte die Umsetzung?

Thomas Orth: Wir haben mit den Zielen der Pilotphase, die bereits im Sommer 2005 startete, begonnen. Ziele sind z.B. die Patientenversorgung, Behandlungspfade wie z.B. Chemotherapie, Patientenorientierung, Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften, Mitarbeitereinsatz und Fortbildung, Praxisführung und Organisation. In der ersten Phase haben wir erfreut festgestellt, dass eine ganze Reihe von Zielen bereits erfüllt war. Gleichzeitig haben wir auch bemerkt, wo Verbesserungspotenziale sind. Jedes Teammitglied hat in Zusammenarbeit mit der Praxisleitung und der Qualitätsmanagementbeauftragen die Ziele seines Aufgabenbereiches bearbeitet. Am Ende dieses Prozesses stand die Rohfassung des Qualitätsmanagement – Handbuchs.

 

Wie ging es dann weiter

Thomas Orth: Nach dieser Phase haben wir uns der Feinabstimmung gewidmet, was ca. 1 Jahr dauerte. In dieser Zeit haben wir die strukturierten Abläufe überprüft und das Handbuch überarbeitet. In diesem Handbuch mit einem Umfang von ca. 300 Seiten sind alle Arbeitsabläufe enthalten, aber auch Checklisten, der Hygieneplan, das Organigramm, Aufklärungen für verschiedenen Untersuchungen, im Grunde das gesamte Praxiswissen.

 

Wie war das mit der Zertifizierung?

Thomas Orth: Nachdem wir intern alle Nachweise erstellt hatten, wollten wir auch gerne wissen, ob wir auch nach Beurteilung unabhängiger Dritter das System QEP erfüllen. Also meldeten wir uns kurz vor Weihnachten für die Visitation an. Wir mussten zunächst unser Handbuch zur Prüfung einreichen. Danach kam eine Visitorin zur Begehung vor Ort. Sie ließ sich die gesamte Praxis zeigen, prüfte Aufzeichnungen, Protokolle und führte Interviews mit den Teammitgliedern. Am Ende stand das Zertifikat, das 3 Jahre gültig ist. Sie können sich sicher vorstellen, wie groß unsere Freude nach fast 2 Jahren Anstrengung war.

 

Wie sieht Ihr Fazit aus?

Thomas Orth: Die Zertifizierung betrachten wir nicht als Endpunkt, sondern als Meilenstein auf dem ständigen Weg nach noch mehr Qualität. Wir werden auch weiterhin die Anregungen der Patienten und Mitarbeiter in das QM-System einarbeiten um die Abläufe in der Praxis verbessern.